Linux ist aufgrund vieler positiver Eigenschaften ein flexibles und universelles Betriebssystem. Eine seiner weniger bekannten Anwendungen ist jedoch als Hardware-Diagnose-Tool.

Für Funktions- und Performancetests setzen viele Menschen noch immer auf teure Speziallösungen, die auf anderen Betriebssystemen laufen, aber mit der kleinen StressLinux Live Distribution können Sie die Fähigkeiten Ihres Systems ohne die komplexe Handhabung und die hohen Kosten anderer Tools testen.

Basierend auf openSUSE 11.4 und BusyBox ist StressLinux als 200-MB- oder 225-MB-ISO-Image für 64-Bit- und 32-Bit-Architekturen verfügbar. Alternative Versionen sind für die Verwendung mit USB-Speichermedien oder in einer virtuellen Maschine verfügbar. Eine leicht verständliche Dokumentation zum Erstellen eines bootfähigen Mediums finden Sie auf der Projektwebsite.

Blackbox

Nach dem Start bietet StressLinux zunächst einen anachronistischen Textbildschirm und rudimentäre Liniengrafiken auf schwarzem Hintergrund. Sobald das Betriebssystem fertig ist, müssen Sie sich anmelden: Der Benutzername und das Passwort sind beide erforderlich. Die Routine verzweigt dann im Textmodus zum YaST2-Konfigurationstool, das die Tastatur bei Bedarf zunächst im bekannten blauen Fenster anpasst. Die Software fordert Sie auf, das Motherboard einzugeben. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Karte Sie installiert haben, oder wenn Sie einen Laptop mit einem Motherboard verwenden, das speziell für den mobilen Einsatz entwickelt wurde, drücken Sie einfach die OK-Taste, um den ersten Listeneintrag Run_sensors-detect zu aktivieren. Ihre Hardware wird dann in mehreren Einzelschritten auf die Verfügbarkeit verschiedener Sensoren überprüft. Nach Abschluss zeigt das System mögliche Test- und Benchmarkbefehle in einer Tabelle an, zeigt eine Eingabeaufforderung an und wartet auf Ihre Eingabe (Abbildung 1).

Abbildung 1: StressLinux bietet eine breite Palette an Stresstests.

Der obere Teil der Tabelle zeigt eine beeindruckende Anzahl von Testroutinen, die für bestimmte Hardware angepasst sind. Diese Routinen werden von den Herstellern Intel und AMD sortiert. Im Folgenden finden Sie Programme, die eine breitere Palette von Tests abdecken, sowie Tests, die die Netzwerkgeschwindigkeit und den Massenspeicher überprüfen. Wenn Sie nicht genau wissen, welche Hardware in Ihrem System installiert ist, können Sie die wichtigsten Komponenten auflisten, indem Sie den Befehl lshw ausführen. Die Ausgabe von lshw ist umfangreich, aber Sie können die Ausgabe auf dem Bildschirm mit:

lshw | more

so können Sie die Details in Ihrer Freizeit anzeigen. Um den genauen Prozessortyp zu ermitteln, geben Sie an der Eingabeaufforderung x86info ein; damit erhalten Sie die wichtigsten technischen Daten für Ihre CPU (Abbildung 2).

Abbildung 2: Kurz und bündig: CPU-Spezifikationen.

CPU- und Chipsatztests

Die ersten sechs Programme in der Liste sind in einigen Software-Repositorys als Teil der cpuburn Suite verfügbar. Diese Programme testen Prozessoren und Chipsätze von Intel und AMD – einschließlich der älteren K6– und K7-Serien sowie moderner kompatibler Systeme – bei höchstmöglicher Last, sodass Sie feststellen können, inwieweit ein Prozessor zum Übertakten geeignet ist und Ihnen bei Hardwareproblemen hilft. Beispielsweise könnte ein System unter Volllast, das sich nach wenigen Minuten abschaltet, auf eine defekte oder unzureichende CPU-Kühlung hinweisen.

Sie können das Testprogramm jeweils mit dem in der Liste angegebenen Konsolenbefehl starten; hierfür sind keine Administratorrechte erforderlich. Da die Programme normalerweise nichts auf dem Bildschirm ausgeben, sollten Sie Ihre Hardwaretests im Hintergrund ausführen, damit Sie während der Ausführung der Anwendung an der Konsole arbeiten können. Um Ihre hochmoderne Intel CPU ausgiebig zu testen, geben Sie an der Konsole die Befehlssequenz

burnP6 || echo $? &

ein. Wenn Sie also jetzt den Befehl top auf der Konsole ausführen, um die prozentuale Systemauslastung durch verschiedene Prozesse anzuzeigen, wird burnP6 mit einer permanenten CPU-Auslastung von weit über 95% immer ganz oben in der Liste angezeigt.

StressLinux überwacht die thermische Leistung Ihres Systems unter Last nahezu in Echtzeit und zeigt die relevanten Informationen mit den Tastenkombinationen F10 bis F12 an.

Die Tastenkombination Strg + Alt+ F12 führt Sie zur aktuellen Temperaturanzeige für alle Sensoren im System und zeigt die Lüfterdrehzahlen an. In der Nähe befindet sich die CPU-Temperaturanzeige, die auch die maximal zulässige Betriebstemperatur anzeigt. Wenn das Display nach kurzer Zeit einen starken Temperaturanstieg des Sensors anzeigt und eine höhere Lüfterdrehzahl keinen Einfluss auf die von den Sensoren erfasste Wärmeentwicklung hat, ist es am besten, das Kühlsystem zu überprüfen. Dies gilt insbesondere für die CPU-Kühlung, da Wärmeleitpaste, die im Laufe der Zeit direkt auf dem Prozessor trocknet, als Isolator wirken kann, was letztendlich zu einer Beschädigung des Systems führt.

Die Tastenkombination Strg+Alt+F11 zeigt die aktuellen Speichergerätetemperaturen an. Unter volllast, und auch nach längerer exposition gegenüber die stress test, die festplatte betriebs temperatur sollte nicht steigen über 50C; sonst, sie könnte erfahrung daten verlust und schäden.

Durch Drücken von Strg+Alt+F10 gelangen Sie zu einer grafisch verbesserten Anzeige Ihres Netzwerkdurchsatzes; nur die eth0-Schnittstelle wird überwacht. Diese Anzeige bleibt für CPU- und Chipset-Tests inaktiv.

Systemtest

Durch Eingabe des Befehls stress wird ein umfassenderer Systemtest gestartet, der neben der CPU die Speicherschnittstelle, den Speicher und gegebenenfalls die Speichergeräte überprüft. Da diese Testsuite über eine beeindruckende Anzahl von Parametern verfügt, mit denen die einzelnen Routinen angepasst werden können, sollten Sie zunächst stress –help ausführen, um sich einen Überblick über die möglichen Optionen zu verschaffen. Um Tests zu automatisieren, ohne das System mit einer zu langen Laufzeit zu überlasten, können Sie ein Zeitlimit für den Stresstestlauf festlegen.

Storage

Festplatten werden mit zunehmendem Alter oft zur schwachen Komponente eines Systems; Datenverlust durch einen technischen Defekt kann fatale Folgen haben. StressLinux überprüft den Zustand Ihrer Festplatten mit zwei Tools, bonnie ++ und smartctl. Während Bonnie++ ein Tool zum Benchmarking von Speichermedien ist, unterstützt Smartctl Testläufe und zeigt den aktuellen technischen Zustand der Festplatte an. Um dieses nützliche Tool zu starten, müssen Sie der StressLinux Root-Benutzer oder gleichwertig sein. Der su – Befehl gibt Ihnen Root-Rechte, nachdem Sie das Root-Passwort stresslinux eingegeben haben.

Wenn Sie den Befehl

smartctl -a <drivename> | more

ausführen und einige Daten im Fehlerprotokoll sehen, sollten Sie mindestens Ihre wichtigsten Dateien sichern. Wenn Sie einige zusätzliche Testläufe durchführen möchten, listet die Eingabe von smartctl –help den umfangreichen Parametersatz zusammen mit einigen Beispielen auf (Abbildung 3).

Abbildung 3: Smartctl kann alle Details zu Ihren Speichergeräten ausdrücken.

Netzwerk

Um den Durchsatz Ihrer Netzwerkschnittstelle zu messen, stellt StressLinux das netio-Programm zur Verfügung, das den Datentransfer zwischen zwei Computern misst, wobei ein Computer als Server fungiert.

Nach dem Start von StressLinux auf beiden Rechnern im Live-Modus können Sie das Programm auf dem Server mit dem Befehl

netio -s

und auf dem Client durch Eingabe von:

netio <server IP address>

StressLinux zeigt Ihnen den Datendurchsatz in Listenform mit unterschiedlichen Paketgrößen an. Alternativ können Sie mit Strg+Alt+F10 ein Balkendiagramm der Übertragungsgeschwindigkeit anzeigen.

Schlussfolgerungen

StressLinux ist ein nützliches Tool, das Ihre Hardware gründlich auf Herz und Nieren prüfen kann. Die Software blendet nicht mit aufwendigen grafischen Gimmicks, sondern erwartet, dass der Benutzer einige Kenntnisse der Befehlszeile hat.

Als Live- „Mini-Distribution“ hilft Ihnen StressLinux, mögliche Fehlerquellen und Engpässe schnell und zuverlässig zu lokalisieren, ohne dass eine zeitaufwändige Installation auf der Festplatte erforderlich ist. Insbesondere StressLinux erweist sich als hervorragendes Tool, wenn Sie Probleme mit dem Prozessor oder dem Kühlsystem beheben möchten. Natürlich müssen Sie die thermische Leistung Ihres Systems unter Last im Auge behalten, um Schäden durch Überhitzung bei unzureichender Kühlleistung zu vermeiden.

Für ernsthafte PC-Anwender und IT-Ingenieure ist StressLinux ein unverzichtbares Werkzeug zur Diagnose von Hardwareproblemen und gehört daher in jede gut sortierte Toolbox.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.