Sanssouci zur Zeit Friedrich Wilhelms IV. umfasst den Zeitraum fast hundert Jahre nach dem Bau des Schlosses, als ein König, der vom göttlichen Recht seiner Krone und vom absoluten Machtanspruch des Herrschers überzeugt war, auf den preußischen Thron kam. Es war eine Zeit sozialer Umwälzungen, deren blutiger Höhepunkt die Märzrevolution von 1848 war. Friedrich Wilhelm IV., der Romantiker auf dem Thron, bewunderte und respektierte die Person und Welt Friedrichs des Großen sehr. Er glaubte, dass er viel mit Frederick hinsichtlich ihrer komplexen Interessen gemeinsam hatte, insbesondere im Bereich der Architektur und des künstlerischen Designs. Doch Friedrich Wilhelm IV. war für die politische Neuausrichtung Mitte des 19.Jahrhunderts nicht scharf genug. Er suchte die Bestätigung seines eigenen Machtanspruchs und der Rolle des Regenten durch seine Nähe zu seinem bewundernswerten Vorfahren.

Noch als Kronprinz hatte Friedrich Wilhelm großes Interesse an Schloss Sanssouci und dem Park seines Urgroßonkels Friedrich gezeigt. Der älteste Sohn von Friedrich Wilhelm III. und Luise von Mecklenburg-Strelitz bat 1832 um Erlaubnis, das Schloss seines Vorfahren nutzen zu dürfen, obwohl er und seine Frau Elisabeth Ludovika von Bayern in das inzwischen erbaute Schloss Charlottenhof hätten einziehen können, dessen Gelände mit dem Frederician Park verbunden war.

Nach seiner Thronbesteigung 1840, genau hundert Jahre nach Beginn der Regierungszeit Friedrichs des Großen, bezog das Königspaar schließlich die Gästezimmer im „göttlichen Sanssouci“, wie Friedrich Wilhelm es nannte. Sie behielten die vorhandenen Möbel bei und ersetzten fehlende Stücke durch Möbel aus der frederizischen Zeit. Der unter Friedrich Wilhelm II. verklärte Raum, in dem Friedrich der Große gestorben war, sollte in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden, aber dieser Plan wurde mangels authentischer Dokumente und Pläne nie verwirklicht. Das einzige, was (1843) an seinen alten Platz zurückkehrte, war der Sessel, in dem Friedrich gestorben war.

Die Notwendigkeit einer umfassenden Umgestaltung der Seitenflügel und das größere Problem des Fehlens eines Innenhofs machten einen Umbau und eine Erweiterung erforderlich. Friedrich Wilhelm IV. beauftragte Ludwig Persius mit der Ausarbeitung der Pläne und Ferdinand von Arnim überwachte den Bau. Mit architektonischer Sensibilität wurden die Gestaltungselemente, die sich an der Nordfassade des Gebäudes befanden, stärker in den Vordergrund gerückt. Durch Knobelsdorffs Ideen hatte die Front einen ernsthafteren Präsentationscharakter erhalten als die fröhlich verspielte Gartenfront und mit großer Stilsicherheit wurden Neues und Altes verbunden.

Bei der Gestaltung des Innenraums des Westflügels wurde der Rokokostil wieder eingeführt. Die zweite Periode des Rokoko war Teil der facettenreichen künstlerischen Bewegung der Mitte der zwanziger Jahre des 19. Es war jedoch nicht nur ein modischer Trend für Friedrich Wilhelm IV. und das Schloss, sondern auch eine Wiederbelebung der künstlerischen Werte Friedrichs des Großen und daher in diesem Ausmaß nur in Sanssouci zu finden. In der Tat bevorzugte Friedrich Wilhelm IV. die antike, die Renaissance und den klassischen Baustil für die zahlreichen anderen Gebäude, die während seiner Regierungszeit in Potsdam entstanden.

Nach schwerer Krankheit starb Friedrich Wilhelm IV. am 2. Januar 1861 in Sanssouci, seinem „Traumschloss“, und wurde in der Nähe beigesetzt. Sein Grab war zwischen 1845 und 1848 in der Friedenskirche im Park Sanssouci errichtet worden. Seine Witwe Elisabeth Ludovika lebte während der Sommermonate noch dreizehn Jahre im Palast und war die letzte Bewohnerin. Im Februar 1861 schrieb sie an ihren Neffen Otto, der damals König von Griechenland war:

Ich lebe ruhig weiter, an dem Ort, den er so liebte, ständig verschönert, und wo er den letzten Teil seines Lebens ohne Unterbrechung verbrachte…die tausend melancholischen Erinnerungen an die glücklichen Zeiten und besonders an sein letztes Leiden brachen mir das Herz. Trotzdem bleibe ich. Man kann dem Schmerz nicht entfliehen, er kommt mit einem, und die Sehnsucht hätte mich auf jeden Fall hierher zurückgetrieben.

Elisabeth Ludovika starb am 14.Dezember 1873 und wurde neben Friedrich Wilhelm IV. in der Friedenskirche beigesetzt.

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